Lothar Wolleh war ein deutscher Fotograf.
Berlin, Deutschland 1930 - 1979 London, England.

Lothar Wolleh Archiv

Joseph Beuys in den Archiven Lothar Wollehs

Joseph Beuys
  • Autor Antoon Melissen
  • Zeit 2020

Das Archiv von Lothar Wolleh enthält über 900 Negative mit Joseph Beuys. Eine gigantische Menge, die über eine fruchtbare Periode der Zusammenarbeit und gemeinsamer Interessen in den frühen 1970ern Zeugnis ablegt. Mit Porträts, Aufnahmen von Beuys‘ Performances und Fotografien des „Künstlers bei der Arbeit“ handelt es sich möglicherweise um die reichhaltigste fotografische Dokumentation von Joseph Beuys durch einen einzelnen Fotografen. 

Im Jahre 1970 entschied Joseph Beuys, seine Performance Filz-TV, die erstmals 1966 in Kopenhagen gezeigt wurde, einmalig wiederaufzuführen. Diese Aufführung war ausschließlich auf Kameras ausgerichtet, auf die des Fotografen Lothar Wolleh und des Filmemachers Gerry Schum, dessen Aufzeichnung in jenem Jahr im deutschen Fernsehen gezeigt wurde. Die von Wolleh ausgewählte, aus 16 Fotografien bestehende Serie der Performance ist in ihrer Art einmalig. Ihr erzählerischer Charakter gibt der Auswahl einen Status eines „fotografischen Polyptychons“, obwohl jedes Bild - im Einklang mit Wolleh’s Konzeptionen der Fotografie - ebenso sehr für sich alleinsteht. Diese erste Bekanntschaft mit Beuys erwies sich als ein fruchtbarer Boden für Projekte in den folgenden Jahren. 

Eines der bekanntesten fotografischen Porträts von Joseph Beuys wurde von Lothar Wolleh gemacht; ein Porträt, welches heute Teil der Sammlung der Londoner Tate Gallery ist. Wolleh konnte die außerordentliche Größe dieses Sibergelatineprints von nicht weniger als 233 x 227,5 cm durch die damals recht innovative Verwendung von Leinwand als Träger realisieren. Dieses besondere Foto ist Teil einer größeren Serie, die 1971 konzipiert wurde. In den frühen Tagen dieses Jahres ergriff Lothar Wolleh die Initiative, die Familie Beuys auf ihrer Reise nach Stockholm zu begleiten. Joseph Beuys sollte seine erste Museumsausstellung außerhalb Deutschlands im Moderna Museet installieren, und Wolleh hatte die Idee, den Künstler während des Aufbaus der Ausstellung bei der Arbeit darzustellen.

Ein umfassendes Verständnis von Kunst

Wolleh stellte diese „Stockholm-Fotos“ in seinem 1971 konzipierten Künstlerbuch Beuys. Eine Dokumentation von Lothar Wolleh zusammen. Die Fotos führten auch zu einer gemeinsamen Initiative, der Publikation des sogenannten Unterwasserbuches, bestehend aus 51 auf PVC gedruckten Wolleh Fotos, ergänzt durch ein Multiple von Beuys. Das Projekt wurde aufgrund technischer Probleme nie abgeschlossen, auch wenn einige Exemplare des Buches existieren. Die Fotografien von Wolleh auf PVC erhielten jedoch ein „zweites Leben“ als 3 Tonnen Edition (1973) - unter Bezugnahme auf das Gesamtgewicht der für die Bindung als Unterwasserbuch bestimmten Blätter; auch da ein Teil von ihnen individuell von Beuys „überarbeitet“, signiert und gestempelt wurde. Unter demselben Titel Unterwasserbuch (1972), gestaltete Joseph Beuys auch ein zusammengesetztes Werk in geringer Auflage, bestehend aus Lothar Wolleh’s in PVC ausgeführtem Buch und einer Tauchertaschenlampe, die in ein Becken mit Wasser getaucht sind.

Was Joseph Beuys und Lothar Wolleh verband, war ihr breites, umfassendes Verständnis von Kunst sowohl im programmatischen als auch im konzeptuellen Sinne. Der Reichtum der Fotografien von Lothar Wolleh zeugt von der einzigartigen „Arbeitsbeziehung“ dieser beiden Künstler.

Beuys. Eine Dokumentation von Lothar Wolleh - Von diesem Buch wurden nur wenige Bände gebunden.