Lothar Wolleh war ein deutscher Fotograf.
Berlin, Deutschland 1930 - 1979 London, England.

1930

Am 20. Januar als erster Sohn der alleinerziehenden Arbeiterin Martha Wolleh in Berlin Wedding geboren.

1935 - 1939

Unterbringung in einer Berliner Pflegefamilie und anschließende Rückkehr zu seiner Mutter.

1930
1942

Der Bruder der Mutter, Walter Wolleh wird Ende Dezember 1942 in den Kessel von Stalingrad eingeflogen und gilt seither als verschollen. Seine Frau und die zwei Jungen werden bei einem Bombenangriff getötet.

1945

Die Wohnung der Familie Martha Wolleh wird bei einem Luftangriff zerrstört.


1946 - 1948

Studium an der neu gegründeten Hochschule für angewandte Kunst, Berlin-Weißensee, bei Otto Sticht und Ernst Rudolf Vogenauer, Klasse für Elementarlehre und gegenständliche Malerei.

1948 – Okt. 1949

Aufenthalt in „Boys Town“ in Bad Vilbel, einem von der US Armee unterhaltenen Lager für entwurzelte junge Deutsche, welches auf dem Ansatz von Pater Edward Flanagan basierte.

1940
7.7.1950

Verhaftung in Ost-Berlin, Aufenthalt in dem Gefängnis Berlin Lichtenberg und Hohenschönhausen


24.2.1951

Verurteilung durch ein Sondergericht „OSO“ (Fernurteil aus Moskau) wegen angeblicher Spionage und Diversion nach Artikel 58-6 und 58-9 des StGB der Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik zu 15 Jahren Arbeitslager. Die OSOs sprachen in Abwesenheit der Angeklagten ihre Urteile nach Aktenlage.

 

Deportation in das Arbeitslager Workuta und Zwangsarbeit in einem Kohleschacht. Nach Stalins Tod kommt es im Jahre 1953 zu einem Aufstand im Lager, der gewaltsam niedergeschlagen wird. Danach verbessern sich die Haftbedingungen. Wolleh baut mit anderen Gefangen eine Kamera und befasst sich das erste Mal mit Fotografie. In seinem Archiv befinden sich tatsächlich Negative die gegen Ende der Gefangenschaft und beim Rücktransport aus Workuta nach Deutschland aufgenommen wurden.

12.1.1956

Entlassung aus der Haft, Grenzdurchgangslager Friedland.


16.1.1956

Ankunft in Berlin (Tempelhof), vier Tage vor seinem 26. Geburtstag.


1956 - 1957

Ausbildung im Letteverein, Stiftung des öffentlichen Rechts, Berufsfachschule für Photographie, Grafik und Mode, Berlin (West).


16.1.1957

Die holländische Pastorin Frau Be Ruys vom der Jugendabteilung des Weltkirchenrates kontaktiert Lothar Wolleh. Sie wird eine Begleiterin und Mentorin im Prozess der gesundheitlichen Rehabilitation. Be Ruys vermittelt ihn den Aufenthalt in Gotland (Schweden).

1958

Aufenthalt auf der schwedischen Insel Gotland. Der mehrmonatige Aufenthalt in Schweden ist Teil eines Erholungsprogrammes des Weltkirchenrates für kriegsgeschädigter Jugendliche. Für Wolleh begründet diese Reise eine lebenslange Zuneigung zu Menschen und Landschaft der Insel.


1959-61

Studium an der Folkwang-Schule, Essen, bei Otto Steinert.


1959

Studienreise nach Paris als Teil der Ausbildung an der Folkwang-Schule.


1950
1962 - 1979

Arbeitet als freischaffender Fotograf mit Wohnsitz und Studio in Düsseldorf.


1962 – 1965

Das Studio Wolleh ist in der Kavallerie Str. in Düsseldorf angesiedelt. 1965 erfolgt der Umzug in die Faunastr.


1962 - 1965

Wolleh ist als Fotograf u.a. für die Werbeagenturen TEAM, DDB, troost, McCann tätig gleichzeitig beginnt er die Arbeit an seinen selbstbestimmten Fotokunstprojekten.


1963

In etwa um diese Zeit beginnt Lothar Wolleh mit seinem großangelegten Fotoprojekt "Künstlerporträts", bei dem Lucio Fontana 1963 einer der frühesten porträtierten Künstler ist. Mit seinem Sitz in Düsseldorf fokussiert er auf die rheinische Kunstszene wie Günther Uecker, Otto Piene (1964) oder Gerhard Richter (1966) ohne dabei europäische Meister aus dem Auge zu verlieren wie René Magritte (1967).


1963 - 1965

Verschiedene Reisen nach Rom für seinen Fotoband Das Konzil.


1963 - 1967

Verschiedene Besuche bei dem Künstler Lucio Fontana in Mailand und die Arbeit an einem unveröffentlicht gebliebenen „Fontana-Buch“.


1965

Lothar Wollehs erster Fotoband Das Konzil erscheint beim Belser Verlag Stuttgart, ein opulenter Farbfotoband, der das 2. Vatikanische Konzil dokumentiert.

1966/67

Verschiedene Besuche bei René Magritte in Brüssel.


1968-1969

Reise durch die UDSSR für seinen Fotoband UdSSR – der Sowjetstaat und seine Menschen.

1969 - 1971

Arbeit an der bislang unveröffentlicht gebliebenen „Schoonhoven-Buch“ einem von Wolleh und dem niederländischen Künstler Jan Schoonhoven gestaltetem Foto-Graphikband.

1968/69

Reise durch die UdSSR für seinen Fotoband UdSSR – der Sowjetstaat und seine Menschen.


1969

Lothar Wolleh wirkt als Initiator und Herausgeber von Künstlern designten Uhren-Kollektion. In den folgenden Jahren entstehen Uhren-Editionen von Jan Schoonhoven, Günther Uecker, Arman, Agam und César. 

1960
1970

Publikation UdSSR – der Sowjetstaat und seine Menschen erscheint beim Belser Verlag Stuttgart.

1970

UdSSR – der Sowjetstaat und seine Menschen is published by Belser Verlag Stuttgart.


1970

Die Foto- Kunstobjektmappe Günther Uecker – Eine Dokumentation von Lothar Wolleh wird erscheint beim Verlag Galerie der Spiegel, Köln. Die Mappe die ausschließlich Fotos von Wolleh enthält beinhaltet auch Graphiken von Uecker. Die Buchkassette ist mit einem Nagel versehen und von Uecker signiert.


1970

Lothar Wolleh fotografiert die Joseph Beuys Aktion Filtz TV. Wolleh selektierte 16 Aufnahme, die er in einer für ihn typischen 4 x 4 Bildern Formation arrangierte. 

1971

Lothar Wolleh fotografiert den Aufbau der Beuys-Ausstellung im Moderna Museet Stockholm für das gemeinsam projektierte Künstler "Unterwasserbuch".


1971

Lothar Wolleh fotografiert in Mailand die spektakuläre Aktion L'Ultima Cena (Das letzte Abendmahl) der Künstlergruppe „Neuen Realisten“ für ein von ihm geplantes Fotobuch.


1971

Reise zur Bienale in Sao Paulo zusammen mit Günther Uecker und Gotthard Graubner. Anschließende Südamerikareise mit beiden.

1971

Erscheint Wollehs Fotoband und Kunst-Kassette Art Scene Düsseldorf 1 beim Belser Verlag Stuttgart.


1973

Das "Unterwasserbuch”-Projekt zusammen mit Josef Beuys entsteht. Wegen technischer Probleme werden nur drei Exemplare des Fotobandes der aus PVC-Folien besteht gebunden. Die PVC-Foto-Blätter werden später unter dem Namen Drei Tonnen Edition, Staeck, Heidelberg veräußert und bekannt.


1972 - 1973

Arbeit am bislang unveröffentlichten Portraitfotoband Männer der Wirtschaft in dem Wirtschaftskapitäne und die erste Managergeneration großer deutscher Wirtschaftsunternehmen vorgestellt werden.


1973 -1979

Wolleh macht sämtliche Fotos für den jährlichen Geschäftsbericht der Karstadt AG.


1974

Aufnahmen zum Buch Ludwig van Beethovens Leonore, Idee einer Oper von Günther Uecker, Belser Verlag, Stuttgart.


1974

Reise mit Uecker nach Thailand und Laos.


1975

Wollehs zweiter Fotoband zum Vatikan mit dem Titel Apostolorum Limina, erscheint beim Arkade-Verlag  Brüssel. Das Buch dokumentiert in Farbfotografien die Festlichkeiten zum „Heiligen Jahr“ 1975. Den Sonderausgaben sind Triptychen des Künstlers Vic Gentils beigelegt.


1975

In einer Privataudienz bei Papst Paul VI übergibt Lothar Wolleh sein Foto-Kunstbuch Apostolorum Limina.Die editierte Ausgabe enthält ein goldenes Triptychon des Künstlers Vic Gentils. 

1975

Der Video-Film zur Schwarzraum-Weißraum-Aktion von Günther Uecker, bereits 1972 für die Ausstellung "Szene Rhein-Ruhr '72" konzipiert, wird von Lothar Wolleh und Uecker realisiert.


1976

Lothar Wolleh fotografiert die Herbert Zangs Aktion Mensch. Wie bei anderen Künstler-Aktionen üblich selektiert Wolleh 4 x 4 Aufnahmen um die Aktion in einer quadratischen Anordnung zu präsentieren.

1976

Aufenthalte in Lichtenstein, für die Arbeit an dem Fotoband Lichtenstein.

1977 - 1979

Mehrere Aufenthalte in Polen für die Arbeit an den unvollendeten Foto-Bänden Die schwarze Madonna von Tschenstochau und Wawel; Lothar Wolleh fotografiert unter anderem beim Besuch von Johannes Paul II., der seine erste Reise als Papst nach Polen unternimmt.


1979

Aufnahmen zu dem Band Zum Schweigen der Schrift oder die Sprachlosigkeit von Günther Uecker, Erker Verlag, St. Gallen.

1979

Aufnahmen zum Buch Uecker: Bühnenskulpturen für Lohengrin, 1981 veröffentlicht


Sep 1979

Wolleh trifft Henry Moore anlässlich der Einweihung seiner Skulptur Two Lage Forms vor dem Bundeskanzleramt in Bonn und portraitiert diesen im Bahnhofs Rolandseck.

28.9.1979

Lothar Wolleh stirbt in London nachdem er am Tag zuvor Henry Moor noch einmal in seinem Atelier portraitiert hatte.

Er liegt dem Friedhof der Eksta Gemeinde auf Gotland begraben.


1970
Gestern
ante mortem

Lothar Wolleh Timeline

Heute
post mortem
1980
1980

Der Katalog Lothar Wolleh. Künstlerbildnisse, Kunstobjekte, Photographien für die gleichnamige Ausstellung des Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf entsteht. 

1981

Dunkelkammer und Labor des „Studio Wolleh“ in Düsseldorf wird demontiert und verkauft. 

1982

Das Archiv von Lothar Wolleh verteilt sich auf verschiedene Keller und Lageräume und ist damit nur noch eingeschränkt zugänglich und einsehbar. 

1983

Das Archiv von Lothar Wolleh wird auf verschiedene Keller und Lagerräume verteilt und ist damit nur noch begrenzt zugänglich und einsehbar. 

1990
1999

Das Archiv wird in Berlin zusammengeführt und in archivfeste Verpackungen umgelagert. 

2000
2003

Lothar Wolleh Estate wird gegründet. 

2005

Lothar Wolleh Estate bringt eine erste Edition von Modern Prints heraus. Die Silbergelatineprints auf Barythpapier werden in der Dunkelkammer (analoges Verfahren) hergestellt.

2005

Anlässlich des Ausstellungszyklus „Lothar Wolleh. Eine Wiederentdeckung. Fotografien 1959–1979“ erscheint der gleichnamige Katalog im Hauschild Verlag. 

2010
2012

Das Buch Lothar Wolleh. Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm, Januar 1971 erscheint anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Hamburger Bahnhof in der Buchhandlung Walther König, Köln.

2013

Der Prozess der Digitalisierung des Archives beginnt. 

2015

Der Estate erwirbt ein seltenes Lothar Wolleh Portrait des italienischen Künstlers Lucio Fontana. Der Vintage Print ist von Fontana geschlitzt und signiert worden. 

2015

„Lothar Wolleh Artist Talk“ mit Oliver Wolleh sowie dem Künstler und Freund Lothar Wollehs, Christian Erben in den Räumen der Galerie Pavlov´s Dog, Berlin. Moderation: Lisa Zeitz, Kunsthistorikerin und Chefredakteurin des Magazins Weltkunst.

2016

Der Freund Lothar Wollehs und Sammler Günther Drenker stirbt im Alter von 82 Jahren. Seine Sammlung von Lothar Wolleh Werken findet Eingang in die Bestände des kunst palst düsseldorf. 

2016

Das Buch Den Papst kenne ich schon von Anouchka Wolleh wird veröffentlicht und enthält Erinnerungen an Lothar Wolleh, tredition publishers.

2017

„Lothar Wolleh Artist Talk“ mit dem Künstler Cristian Megert und Oliver Wolleh anlässlich der Photoweekend Düsseldorf in den Räumen der Galerie Ruth Leuchter. Moderation: Bernd Fechner.

2017

Lothar Wolleh Estate stellt dem Regisseur Andres Veiel für den Film Beuys umfassenden Zugang zum Archiv zur Verfügung. Lothar Wollehs Arbeiten zu Beuys werden sequenziell in großen Umfang in dem Film angewendet. 

2018

Der unabhängige Kurator und Autor Antoon Melissen beginnt seine Forschung zum Werk Lothar Wollehs. Damit beginnt die Arbeit an einer umfassenden Monografie. 

2019

Eröffnung des Lothar Wolleh Raum in Berlin Mitte. 

2019

Der Estate erwirbt ein bis dahin unbekanntes Konvolut von Vintage Prints zu dem Themenbereich „Der Sowjetstaat und seine Menschen“.