Lothar Wolleh war ein deutscher Fotograf.
Berlin, Deutschland 1930 - 1979 London, England.

Gallery Weekend Berlin

Neuer Ausstellungsraum

Lothar Wolleh Raum
  • Autor Antoon Melissen
  • Zeit 2019

Die Eröffnung des Lothar Wolleh Raums während des Berliner Gallery Weekends am 26. April fand ein großes Publikum. Dieser neue Ausstellungsraum im Herzen eines der ältesten Galerienviertels der Stadt ist der schöpferische Leistung des Fotografen Lothar Wolleh gewidmet. Die Ausstellung „Raum 1“ wurde mit einer Rede von Antoon Melissen eröffnet. 

Die Ausstellung „Raum 1 - Menschen, Farben, Licht“ ist eine erste und retrospektive Präsentation des fotografischen Werks von Lothar Wolleh. Mit seinen Portraits, gemeinsam gestalteten Künstlerbüchern, mit Fotobänden und Editionen, schuf Lothar Wolleh innerhalb von nur zwei Jahrzehnten ein in hohem Maße einzigartiges Werk. 

René Magritte

Das wesentliche erfassen

Vom Beruf her Werbefotograf, „erfand“ sich Wolleh in den frühen 1960er Jahren neu. Und doch zeigen bereits seine frühesten Porträts von 1959-1960 aus seinem ersten Jahr an der renommierten Folkwangschule in Essen eine sehr persönliche Herangehensweise an die Fotografie. Mit seinen Künstlerporträts, beginnend in den frühen 1960er Jahren, „erfand“ Wolleh seine eigene Nische; Porträts, die auch seine engen Verbindungen zu der internationalen Avantgarde widerspiegeln. Die besondere Qualität der Arbeit Wollehs liegt in seiner Fähigkeit, sich mit den porträtierten Künstlern zu verbinden und durch seine visuelle Sprache der Essenz ihrer künstlerischen Vorgehensweise Ausdruck zu verleihen.

Porträts und über das figurative hinaus

Lothar Wollehs Farbfotografie und Schwarz-Weiß-Porträtfotografie, seine Künstlerbücher und -editionen zeugen von einer unerschütterlichen Liebe zur Kunst. Und doch gibt es auf formaler Ebene auch übergeordnete Qualitäten, die bisher nicht so zutage getreten sind wie in dieser retrospektiven Ausstellung. Bei genauer Betrachtung ist Wollehs wirkliches Stilmittel das Licht, die verlockenden, tröstlichen, illusionären und sichtbaren Eigenschaften des Flüchtigen, des Vergänglichen.

Diese Aspekte sprechen auch aus seinen Farbfotografien der frühen 1960er Jahre, Werke, die der breiten Öffentlichkeit unbekannt und in dieser Ausstellung ebenfalls zu sehen sind. In vielen dieser Fotografien erkennen wir eher einen Künstler, der auf dem schmalen Grat zwischen Gestaltung und Abstraktion balanciert, als die „tatsächlichen“ visuellen Informationen des Augenblicks einzufangen. Und wieder erkennen wir in diesen typischen Wollehschen Qualitäten ein Nachsinnen über die sichtbaren Eigenschaften von Farbe, Licht und Dunkelheit.

Das Konzil, 1963
Ort des Lichtes

So habe ich mich gefragt: Wie kann man nun die Vielförmigkeit und die Fülle eines solchen Werkes in einer kurzen Rede zur Eröffnung einer Ausstellung vermitteln? Die Inhalte meiner Forschungen für eine Monografie über Lothar Wolleh, die 2020 veröffentlicht werden soll, haben sich als guter Ausgangspunkt erwiesen. Denn das ist das Schöne an der Zusammenstellung einer monografischen Publikation: Man sucht nicht unbedingt die schönsten, besten, berühmtesten Werke des Künstlers.

Interessanter - und aufschlussreicher - sind entscheidende Momente im Schaffen eines Künstlers. Dies können neue Entdeckungen, Innovationen, neue Ansätze und formale „Erfindungen“ sein, aber auch Begegnungen mit Gleichgesinnten und Freundschaften. Hier, in dieser ersten Ausstellung im Lothar Wolleh Raum in Berlin, kommen beide Strömungen zusammen: der eigenwillige Kurs des bildenden Künstlers sowie der leidenschaftliche Netzwerker, der Mann, der so begierig darauf war, sich mit der Welt außerhalb seines Studios zu verbinden.