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o.T., 1975
o.T., 1975

Eine intensive Lichtform, schwebend, blendend, die sich jeder eindeutigen Gegenständlichkeit entzieht. 

Das Licht scheint sich von innen heraus zu bewegen. Fast wirkt es körperhaft. Es zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. 

Im Hintergrund überragt die ruhige, symmetrische Fassade von St. Peter den Lichtkörper. Die wohl bekannteste Basilika der Welt, errichtet über dem Grab des Apostels Petrus. Zentrum des Vatikans wird zur Bühne für das Licht. 

Diese Aufnahme ohne Titel von Lothar Wolleh aus dem Jahre 1975 zeigt den Petersplatz. Ein Ort der im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert ist. Kaum ein Ort der Welt wurde häufiger fotografiert. Wollehs Kamera zeigt ihn uns wie wir ihn noch nie gesehen haben. Eine camera magica

Wolleh dokumentiert den Platz weiterhin als konkreten Ort. Gleichzeitig erweitert er ihn um eine zweite, immaterielle Ebene, in der Licht nicht mehr nur sichtbar macht, sondern selbst zum wesentlichen Träger der Bildaussage wird.

Seit Jahrhunderten ist der sakrale Raum ein Ort der Inszenierung des Lichts. Gerade diese Lichtwirkung fasziniert den Lichtbildner Lothar Wolleh. Ihn interessiert nicht das Licht, das Architektur sichtbar macht. Ihn fasziniert das Licht, das sich in der Fotografie von der Architektur löst und eine eigene Präsenz gewinnt. Licht wird nicht länger Mittel der Sichtbarkeit. Es wird selbst zum eigentlichen Bild.

Kann die Kamera etwas sichtbar machen, das im Moment der Aufnahme vorhanden war, vom menschlichen Auge jedoch niemals als eigenständige Form wahrgenommen wurde? Lothar Wollehs camera magica lässt diese Möglichkeit entstehen. 

Dies ist schließlich kein Gemälde. Dies ist eine Fotografie.